Stell Dir vor, Deine Mannschaft kämpft um den Aufstieg in die Landesliga und Du kannst beim entscheidenden Wettkampf nicht dabei sein, sitzt in der Kirche und lauscht den andächtigen Worten des Pastors, weil das Schicksal es so wollte, das ausgerechnet heute Deine Töchter konfirmiert werden. In einem solchen Fall ist es besonders wertvoll, wenn Du Gäste eingeladen hast, die ebenfalls mit Leib und Seele Boßeler sind und Dich dank moderner Kommunikationsmittel zwischen Gottestdienst und Festmahl über den Wettkampfverlauf stets auf dem Laufenden halten. Antje Schöttler-Gerjets hat dies scheinbar bedacht, als sie die Einladungen zur Konfirmation ihrer Zwillinge Okka und Lene verschickte und mit Wilfried und Michaela Müller zwei Personen auf die Gästeliste hievte, die sie permanent über den Stand der Dinge, die gerade auf der Strecke in Negenbargen passierten, informierten. Und am Ende waren es gute Nachrichten: Durch eine bärenstarke und sehr geschlossene Mannschaftsleistung wurde das schmerzliche Fehlen von Antje bestens kompensiert und der Aufstieg in die Landesliga perfekt gemacht!

aufstieg FII 1Natürlich galt unsere Frauen II schon vor dem Finaltag als heißer Favorit auf den Aufstieg - schließlich war man ungeschlagen mit einem überragenden Wurfverhältnis Meister geworden. Doch Aufstiegskämpfe haben nun mal ihre eigenen Gesetze: Am Ende entscheidet neben der Tagesform vor allem die Nervenstärke. Wie oft hat man schon erlebt, das vermeintliche haushohe Favoriten ins Straucheln gerieten und ihr sicher geglaubtes Ziel nicht erreichten, weil am Ende der Druck und die Nervosität zu hoch waren.

Wenn man dann auch noch auf eine der besten Werferinnen verzichten muss, stärkt das nicht unbedingt das Selbstvertrauen. Doch davon ließen sich unsere Mädels nicht beeindrucken - mit Karina Dirks stand absolut ebenbürtiger Ersatz zur Verfügung.

Das Karina nicht nur Nervenstärke besitzt sondern auch den Umgang mit der Boßelkugel beherrscht, zeigte sie gleich beim Anwurf. Unbeeindruckt von der Kulisse zündete sie direkt eine Rakete und sorgte so für den perfekten Start in den Wettkampf. Doch Gegner Bernuthsfeld hielt mit einem ebenso starken Anwurf dagegen. Heidi Hinrichs musste das Visier noch ein wenig nachjustieren. Sie wollte bei ihrem ersten Wurf etwas zuviel, ihr Wurf drehte sich nach ca. 100 Metern oben raus. Als aber Meike Müller und Helga von Heimburg diesem Wurf zwei Volltreffer folgen ließen, war der Traumstart perfekt und für die nötige Ruhe gesorgt.

Nun galt es, die folgenden Runden bis zur Wende, routiniert und sicher durchzuwerfen, ohne unnötiges Risiko gehen zu müssen. Die Strecke in Negenbargen gilt zwar als Power-Strecke, fordert neben Kraft aber vor allem auch Genauigkeit. Dies sollte die zweite Runde zeigen. Den einen Wurf etwas zu niedrig gesetzt, den anderen etwas zu hoch und schon war der Wettkampf wieder ausglichen. Doch unsere Mädels zogen die richtigen Konsequenzen daraus und konnten sich in Runde 3 und 4 bereits wieder einen guten Vorsprung von 2 Wurf gegenüber Bernuthsfeld erarbeiten. Leider gingen in Runde 5 aber wieder 2 Würfe daneben und die Meldungen, die von den anderen Begegnungen kurz vor der Wende eintrudelten, gaben ebenfalls leichten Anlass zur Sorge - vor allem die Pfalzdorferinnen, Utgast und auch Berdum sollten sehr stark unterwegs sein.

Die Bestätigung dafür erhielt man am Wendepunkt: Reepsholt und Berdum lagen mit je 6.1 Runden gleichauf, Pfalzdorf und Utgast lagen zu diesem Zeitpunkt mit 6.0 Runden in der Gesamtwertung leicht in Front. Auch Hagerwilde/Halbemond hatte mit einem Rundenergebnis von 6.2 noch alle Chancen auf den Aufstieg - sie mussten ihr Streckenwerfen allerdings ohne Gegner bestreiten, sicherlich kein Vorteil für unsere Freundinnen aus dem Kreis Norden.

Doch unsere Frauen II hatte ja noch einen Trumpf in der Rückhand! Nun kam die Holzkugel zum Einsatz, das Paradewurfgerät unserer Damen. Absprachegemäß wurde zur Wende Kerstin Osterkamp für Helga von Heimburg eingewechselt, die sich nahtlos ins Geschehen einfügte. Heidi Hinrichs, die mit der Gummikugel, vielleicht ein wenig der Nervosität geschuldet, noch einiges hatte liegen lassen zeigte nun, dass ihr die Holzkugel nahezu gehorcht. Sie steigerte sich von Wurf zu Wurf und riss ihre Teamkolleginnen förmlich mit. Aber man kann wirklich keine Werferin einzeln hervorheben - alle lieferten nun einen Wettkampf auf allerhöchstem Niveau ab, so dass man auf die geplante Einwechslung von Gabi Coordes sogar verzichten konnte. Während Karina Dirks mit zwei extrem wichtigen und langen Würfen die engen Kurven "begradigte", war Meike Müller an Konstanz heute nicht zu überbieten - sie zeigte sowohl mit der Gummi-, als auch mit der Holzkugel all ihre Routine und Nervenstärke und platzierte einen Wurf nach dem Nächsten fast in Perfektion auf die Straße.

Je näher man dem Ziel kam, desto mehr stieg nun aufgrund der starken Rückrunde die Hoffnung auf einen guten Ausgang des heutigen Tages. Die Mädels aus Bernuthsfeld konnten einem zu diesem Zeitpunkt fast schon etwas leid tun, mehr als 2 Runden lagen sie zurück und hatten den nun wie entfesselt werfenden Reepsholterinnen nichts mehr entgegenzusetzen.

Doch was machten die anderen? Von Berdum und Pfalzdorf hatte man keine Zwischenstände mehr gehört und auch von den "Einzelkämpferinnen" aus Hagerwilde war nichts zu sehen. Für Utgast sollte es in Holz nicht so gut laufen - doch auch hier wusste man nichts Genaues. Jetzt bloß nicht nervös werden und ruhig weiter werfen. Schließlich war es kein Geringerer als die Boßel- und Klootschießerlegende Harm Henkel, der unseren Frauen in der vorletzten Runde entgegen lief und mitteilen konnte, dass Berdum und Pfalzdorf mit 12.0 bzw. 12.1 über die Ziellinie gingen und Utgast tatsächlich deutlich nachgelassen hatte mit der Holzkugel. Das Tor zur Landesliga war nun mehr als einen Spalt weit  geöffnet, allerdings durfte man sich jetzt keinen Ausrutscher mehr erlauben.

Die große Frage war, ob die Nerven halten würden. Als Kerstin ihren nun folgenden Wurf nach 80-90 Metern oben rausdrehte, musste noch einmal tief durchgeatmet werden - doch dann zündeten Karina und Heidi in absoluter Championsmanier 2 Raketen, die die Kugel bis auf etwa 180 Meter vor die Ziellinie bugsierten. Nun lag es an Meike Müller, den Sack hier schon zuzumachen. Keine einfache Aufgabe. Im Zielraum war die Spannung förmlich zu spüren, es wurde gerechnet, was das Zeug hielt: Reicht es für Reepsholt? Schafft es Pfalzdorf?  Egal, Meike alleine hatte es in der Hand, allen Rechenschiebereien ein Ende zu bereiten:  Sechs, sieben Schritte Anlauf, Oberkörper gerade, den Blick auf den Zielpunkt fixiert, das gespannt murmelnde Publikum ausgeblendet, Wurfarm nach hinten, sauber und in gerader Linie am Körper entlang nach vorne durchziehen, ein wenig "Finger" mitgeben und die Kugel fliegen lassen. Schon beim Abwurf ging ein Raunen durch die Menge - der könnte passen! Die Kugel setzte gut auf, ließ sich nicht von irgendwelchen Unebenheiten beeinflussen und stieg und stieg - jetzt noch über den Mittelstrich und es würde ein "Doppelter" werden. Als sich die schwarze Kugel nach gefühlten Minuten endlich über die weiße Fahrbahnmarkierung schob, brachen bei den Reepsholter Werferinnen und den zahlreichen mitgereisten Fans alle Dämme, schon bevor das Wurfgerät über die Ziellinie rollte. Jetzt war klar: Das ist der Aufstieg und so ist der Boßelsport: Vor einer Woche jubelten die Pfalzdorfer Männer, als sie mit einem Wurf Vorsprung FKV-Meister vor "Ostfreesland" wurden und heute jubelt Reepsholt mit Berdum im Duett und sorgt mit einem Wurf Vorsprung dafür, dass die Auricherinnen ein weiteres Jahr auf Kreisebene antreten müssen! Für genau diese Momente gehen wir Boßeler Woche für Woche, bei Wind und Wetter auf die Straße!

Doch zurück zur Konfirmationsfeier der Familie Gerjets: Ob der Ergebnisübermittlung war die Stimmung dort spätestens jetzt natürlich auch auf dem Höhepunkt angelangt und wer wissen will, wo man in Bentstreek den besten Handy-Empfang hat, der muss Wilfried Müller fragen. Wilfried hat im und rund um den Heidekrug alle Positionen ausgelotet. Man sagt, irgendwo zwischen der Küche und den Toiletten soll das Mobilfunknetz dort am stärksten sein.

Wie sehr Antje mitgefiebert hat, zeigt die Tatsache, dass sie am späten Nachmittag Ehemann Detlef und die Zwillinge Okka und Lene zum Geld zählen nach Hause schickte, sich den blauen "Ostfreesland"-Trainingsanzug überzog, sich Wilfried schnappte, um sich schnurstracks auf den Weg nach Ardorf zu machen, um mit ihren Teamkolleginnen dort zu feiern. Dann schnell noch ein schönes Aufstiegsfoto schießen mit allen Werferinnen, die einer ohnehin schon überragenden Saison mit dem Aufstieg in die Landesliga nun noch das Sahnehäubchen oben drauf setzten, flugs in die Aufstiegspolonaisse einreihen und der guten Stimmung freien Lauf lassen. Als man gegen 19:30 Uhr den Saal leer getanzt hatte machte man sich auf den Weg nach Reepsholt, wo fleissige Helfer und Helferinnen das Haus von Wilma Müller, dem "heimlichen Clubheim" unseres Vereins, festlich mit Girlanden und Aufstiegs-Kranz geschmückt hatten und unserem frisch gebackenen Landesliga-Team Frauen II einen gebührenden Empfang bereiteten.

Wir gratulieren unseren Mädels auf das Herzlichste zu diesem tollen Erfolg, ein besonderer Dank geht an Rolf "Liveticker" Willms, der sein Handy zum glühen brachte, um "Konfirmandin" Antje, Wilfried aber auch unserer Online-Redaktion die wesentlichen Fakten zum Aufstiegskrimi in Echtzeit zu liefern! Zuguterletzt wünschen wir natürlich auch Okka und Lene alles Gute zur Konfirmation und entschuldigen uns für das permanente Stören der hoffentlich dennoch schönen Feier!

Kommentare  

+1 # Boßelfreund 2016-04-18 19:35
Erneut ein überragender Bericht auf eurer Seite! Wer ihn liest, hat das Gefühl, live vor Ort dabei gewesen zu sein!!
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+3 # Maren 2016-04-18 19:47
Ich cool...fast so geil wie live dabei zu sein. Grandiose Leistung!
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+1 # Thomas 2016-04-19 12:36
Ich war bei der Feier dabei und kann es bestätigen! Wilfried und Antje waren ziemlich nervös und wollten schon auf die Toilette verschwinden!
Herzlichen Glückwunsch an die Werferinnen, viel Erfolg in der nächsten Saison!
Ihr macht ne gute Pressearbeit!
Fleu herut
Thomas
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+1 # Karina 2016-04-19 14:00
Moin...Danke für diesen tollen Bericht!!
Da bekommt ja richtig Gänsehaut
Danke,Danke
Schaun wir mal was möglich ist?? :-* :D
LG Karina
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+1 # Heidi 2016-04-19 14:26
Moin, wieder mal ein toller Bericht. Vielen lieben Dank. Besser hätte man den Wettkampf nicht beschreiben können. Es war so schön .....
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+3 # Rolf 2016-04-19 23:55
Liebe Frauen 2, nochmals "Herzlichen Glückwunsch" zum Aufstieg und vielen Dank für den spannenden und so hervorragend absolvierten Wettkampf. Wär´s nicht so toll gewesen hätte man es ja auch nicht so schön schildern können!
Übrigends: In Ardorf ist der beste Empfang auch auf´m Klo :lol:
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